Der Gardasee - Heimat weltbekannter Weine - Lugana und Co

Eingebettet zwischen der Lombardei und Venetien liegt nicht nur eines der beliebtesten Urlaubsgebiete der Deutschen, sondern auch das Anbaugebiet eines Dauerrenners der italienischen Weißweinszene. Die Rebstöcke des Trebbiano lieben diese Ecke Italiens. Und was lieben die deutschen Weintrinker? Den Gardasee – und natürlich den Lugana, der an seinen südlichen Ufern entsteht.

 

Der strohgelb bis grünliche und dem Soave sehr ähnliche Weißwein wird zu 90 % aus Trebbiano di Soave bzw. Trebbiano di Lugana (= Verdicchio Bianco) und zu ca. 10% aus anderen zugelassenen Sorten hergestellt. Die Lugana DOC-Zone, die 1967 als eine der ersten kontrollierten Herkunftsregionen Italiens anerkannt wurde, umfasst mit rund 700 Hektar Rebfläche die Gemeinden Desenzano del Garda, Lonato, Pozzolengo und Sirmione in der Provinz Brescia, sowie Peschiera del Garda in der Provinz Verona am südlichen Ende des Gardasees.

 

Lehm- und Tonböden, die kalkhaltig, trocken und steinig sind bieten dem Trebbiano dort zusammen mit den milden Temperaturen und frischen Winden am Gardasee perfekte Wachstumsbedingungen. Geschätzt für ihre Anspruchslosigkeit, besitzt die Rebsorte die Fähigkeit viele Aromen und Mineralien aus dem Boden aufzunehmen. Anfällig ist die mittel bis spät reifende Rebsorte allerdings für beide Mehltauarten, Botrytis und Traubenfäule.

 

Der Süden des Gardasees wurde als Weinbaugebiet bereits vor rund 1500 Jahren schriftlich erwähnt. Schon die Römer sollen die Trauben für Lugana angebaut haben. Wahrscheinlich hat die Rebsorte ihren Ursprung in Venetien und wurde im 16. Jahrhundert auch in den Marken eingeführt. Hinweise darauf gibt eine Erwähnung durch den Naturforscher Costanzo Felici (1525-1585) 1569.

 

Damit gilt Trebbiano als eine der am Längsten durchgängig angebauten Rebsorten. In den 1950er und 1960er Jahren fand die auch unter Verdicchio bekannte Rebsorte ihren Weg über den italienischen Tellerrand hinaus. In aller Munde ist heute der Lugana DOC. Er deckt bis auf wenige Prozent die gesamte Produktionsmenge ab. Nur ein ganz kleiner Anteil wird gelagert und darf sich dann Superiore nennen. Etwas länger gelagert und gereift – zwei Jahre – ist der Riserva.

 

Von Saft zu Wein werden die Lugana – egal welcher Qualitätsstufe – in Stahltanks. Zum Reifen finden Superiore und Riserva auch mal den Weg ins Holzfass. Abhängig von der Art ihres Ausbaus können Lugana zwei bis zehn Jahre nach ihrer Abfüllung genossen werden. Je nach Alter finden sich helle Noten von weißen Blüten oder Mandeln, spritzige Töne wie Apfel, Zitrus, aber auch Kräuter und Gewürze.

Die Beschaffenheit ihrer Anbauböden kommt durch mineralische Noten zum Vorschein. Diese zarten Geschmacksnoten und ihre wenigen Gerbstoffe machen sie zum idealen Begleiter leichter Gerichte.

Neben Lugana denkt man beim Gedanken an den Gardasee auch unweigerlich an Bardolino Weine.

 

Der Bardolino ist ein Cuvée aus vielen verschiedenen Rebsorten. Den größten Anteil hat die Rebsorte Corvina. Darauf folgen Rondinella und Molinara. Der Wein ähnelt von der Traubenmischung her dem ebenfalls aus der Region stammenden Valpolicella. Es gibt die Weintypen Bardolino, Bardolino Classico, Bardolino Chiaretto (Rosé), Bardolino Chiaretto Classico, Bardolino Chiaretto Spumante, Bardolino Novello und Bardolino Novello Classico. Als wäre das nicht schon genug Grund zur Verwirrung kamen auch noch Superiore hinzu, die mindestens ein Jahr gelagert sein müssen.

Viel Bardolino ist allerdings leider recht einfacher, zwar trinkfreudiger, aber langweiliger Trinkwein. Oft überlagern die mitgetrunkenen Urlaubserinnerungen den eigentlich schlichten Geschmack.

 

Die Rebsorte Corvina, die den Hauptbestandteil ausmacht, ist trotz der Popularität des Bardolino wenig bekannt. Und das obwohl sie schon einige Jährchen auf dem Buckel hat und eine hochwertige, autochthone Rebsorte mit unbekanntem Ursprung ist. Ganz typisch für viele italienische Rebsorten, die so aber auch besonders interessant sind.

 

Die Weine der Corvina sind fruchtig-leichte Rote mit zarter Bittermandelnote und recht kräftiger Säure, die im Abgang an Sauerkirsche erinnert. Vor Fäulnisbefall ist die Corvina durch ihre dicke Schale gut geschützt. Daher wird sie gern getrocknet, z.B. für Amarone. Die Beeren sind klein und haben wenig Gerbstoffe. Vor allem für die Valpolicella Weine muss die Corvina mit der neutralen Rondinella verschnitten werden. Erbgutanalysen aus dem Jahre 2005 führten zu Tage, dass Corvina ein Elternteil der Rondinella ist.

Die spät reifende Rebsorte findet sich in vielen Weinen des Veneto, wenn sie auch durch ihren schlichten Charakter als Solokünstler nicht so recht taugt. Der Anbau auf 3000 ha zeigt aber ihre Bedeutung als bereichernde Ergänzung.

 

Auch unser Winzer von Josef Wines setzt auf Rondinella als Teil seiner Cuvées. Beispielsweise in seiner nichtfiltrierten Garda Colli Mantovani, die mit ihrer wunderbar dunklen Farbe und den dunklen, würzigen Beerennoten überzeugt. Oder im herrlich bescheidenen Titolo Alto Minico. Die siebzig Jahre alten Rebstöcke werden zu ihren unterschiedlichen Reifegraden abgeernet und erfreuen im Glas mit ihren duftigen Malven-, Kirsch- und Beerennoten. Der Weinkeller des studierten Quereinsteigers ist wohl der versteckteste vom ganzen Gardasee.

Unter einem befreundeten Bauernhof liegt das Schaffensreich von Josef Wines komplett im Keller versteckt. Und dort erzeugt das kleine Weingut erfreulich unkonventionelle Unikate in einer Gegend, die hauptsächlich immer gleiche Massenweine hervorbringt.

 

Ebenso eigenwillig agieren die Besitzer des Weinguts Ca di Vitti, deren herausragender Lugana uns große Freude bereitet. Die Hingabe zu dieser Art Wein ist genetisch bedingt – auch ihr Vater produziert schon seit vielen Jahren mit seinem eigenen Weingut herausragende Lugana-Weine. Die wenigen produzierten Flaschen der Tochter sind immer im Nu weg. Gut, dass wir uns gerade noch die aktuell letzten Flaschen sichern konnten.

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